014 Custom Tower

         

Project Description

AUSGANGSLAGE

Die Otterbachgrenze im Kontext
Die Topographie der Otterbachgrenze Basel kann mit folgende Begriffen konzeptuell abgesteckt werden:Niemandsland, Neuland, Naherholung, Kontrolle, Transit, Landwirtschaft und Kunst.

Einerseits bewegen sich an der Grenze also Pendler, Gütertransporter, Einkaufstouristen und sonst Reisende (Transitlandschaft). Es sind hier jedoch auch Personen unterwegs, denen das Passieren der Grenze nicht erlaubt ist. Denn nur wenige Meter in Richtung des schweizerischen Territoriums steht das „Empfangs- und Verfahrenszentrum BfM“, ein Auffangzentrum für rund 300 Flüchtlinge, die sich tagsüber je sechs Stunden ausserhalb der Zäune aufhalten dürfen und die Wartezeit meistens in der Nähe verbringen (Wartelandschaft). Noch deutlicher sichtbar ist das Ausschaffungsgefängnis Bässlergut. Um den Gebäudekomplex herum gruppieren sich die Container einer Hilfsorganisation und einige private Gebäude.
Nur einen Steinwurf entfernt in Richtung Stadt, jenseits eines Ackerfelds, beginnt das Naherholungsgebiet von Basel, die Langen Erlen, ein beliebtes Ausflugsziel für Städter (Freizeitlanschaft).
Schliesslich findet man hier auch zwei Kulturorte: den Kulturpavillon als Konzert und Literaturveranstalter direkt neben dem Zollhäusschen, sowie die Aktion bblackboxx an der Freiburgerstrasse 36, die ein Programm für alle Ortsbenutzer anbietet, wobei die meisten davon Flüchtlinge sind. Auf der deutschen Seite mischen sich als erstes Erotiklokale mit Reihenhäusschen, bevor die Kleinstadt Weil am Rhein eigentlich beginnt. Die Szenarien rund um die Otterbachgrenze könnten vor diesem Hintergrund kaum vielschichtiger sein und bieten reichhaltige Referenzpunkte für einen künstlerischen Eingriff in die Grenzlandschaft.

ANLIEGEN

Das vorliegende Projekt fasst in diesem Kontext das Stichwort „WELCOME“ als eine öffnende Geste auf, welche aus der Komplexität der Topographie eine interessante Spannung schöpft.

1. Willkommensgruss

Das Projekt soll einerseits ein Begrüssungssignal für Autofahrer und Fussgänger verkörpern, die die Grenze passieren. Auch von den vorbeifahrenden Zügen aus ist es gut sichtbar sein. Gleichzeitig soll es auch zum Verweilen einladen, sei es für Personen aus der Stadt oder auch die Sportler, Hundespaziergänger, das Kunstpublikum oder die Flüchtlingsgesellschaft, die alle miteinander hier als Ortsbenutzer definiert werden können.

2. Vielschichtige Bildsprache

Das Objekt soll als Bild vielschichtig interpretierbar sein und für die Passanten ein Assoziationsfeld eröffnen, in dem eben die Aspekte Neuland, Niemandsland, Naherholung, Kontrolle, Transit, Landwirtschaft und Kunst miteinander oszillieren.

3. Über Grenzen agieren

Bereits der Entstehungsprozess des Kunstwerks kann das IBA Motto „Gemeinsam über Grenzen wachsen“ mittragen, indem das Objekt über vier Jahre hin langsam wächst, bis es buchstäblich den Blick über die Grenze nach Deutschland ermöglicht.

PROJEKTSKIZZE

Ein Aussichtsturm zwischen Bildhaftigkeit, Bühne und Verweilzone

Der vorliegende Entwurf ist eine Projektskizze, die einzelne Veränderungen und Modifikationen explizit zulassen soll.

Um den oben genannten Aspekten gesamthaft Rechnung zu tragen, schlagen wir einen begehbaren Turm vor, der einerseits an Grenztürme als auch an Hochsitze erinnert, diese Referenz jedoch nicht ganz einlöst, resp. in eine andere Richtung lenkt. Personen, die sich auf dem Turm befinden, werden nicht nur zu Betrachtern der umliegenden Landschaft, sondern auch selbst Teil einer szenografischen Installation, die ihnen gewissermassen eine Bühne verleiht. Dies begünstigt die Kommunikativität unter den Anwesenden: wer den Turm betrachtet, betrachtet auch die Menschen, die sich darauf befinden. Auf dem Turm kommt man miteinander ins Gespräch. Wer vorbeifahrenden Zügen zuwinken will, wird leichter gesehen. Die obere Turmregion bietet freie Sicht auf die andere Seite der Grenze, etc. Gleichzeitig besitzt der Turm kleine Kompartimente, die sowohl als Erholungs- als auch als Rückzugsorte dienen können.

Der Turm thematisiert dadurch gleichzeitig „Öffnung, Ein- und Ausschluss oder Schutz“ und knüpft damit auch inhaltlich an der Grenzthematik an.

In der Nähe des Turms wird eine Bauhütte errichtet, die über den gesamten Entstehungsprozess hinweg als Lager- Veranstaltungs- und Versammlungsraum dienen kann.

VORGEHEN

1. Verortung

Als Standort bietet sich die Ecke zwischen Strasse, Waldrand und Feld an, etwa auf halber Strecke zwischen der bblackboxx und dem Empfangszentrum: Von hier aus kann das Objekt von allen Grenzbenutzern gut gesehen werden und sich gleichzeitig unaufdringlich in die Grenzlandschaft einfügen. Der Standort der Bauhütte ist noch nicht ganz entschieden, im vorliegenden Entwurf steht er ebenfalls am Waldrand unweit des Turms. Die Randposition signalisiert auch ein eher respektvolles „Dazu Kommen“, ohne das bestehende Ackerland zu zerstören.

2. Entstehungsprozess

Der Bau erfolgt in vier Etappen und wächst somit langsam in die Landschaft hinein. Jede Etappe dauert rund zwei Wochen und wird von Veranstaltungen in der Bauhütte begleitet.

I. Etappe (2013)

Einrichtung Bauhütte / Präzisierung der vorliegenden Skizze unter Einbezug diverser Akteure wie Städteplaner, Passanten aus dem Empfangszentrum und aus der Stadt sowie Kunstschaffenden, mit Workshops und Veranstaltungen.

II. Etappe (2014)

Beginn der Arbeiten am Turm: Errichtung des Fundaments, Bau der ersten Turmmeter inkl. Treppe und Bau des ersten Kompartiments.

III. Etappe (2015)

Fortsetzung vom Turm inkl. Treppe und weiteren Kompartimenten.

IV. Etappe (2016)

Vollendung des Turms in der Höhe leicht unter der Baumgrenze inkl. Plattform.

3. Material

Das Baumaterial besteht aus Holz und unterstreicht somit einerseits das Hineinwachsen in die Landschaft. Unter Umständen ist eine Primärstruktur aus Stahl erforderlich.

4. Dimensionen

Die Dimensionen sollen so gehalten werden, dass der Turm einerseits ein organischer Teil der Landschaft wird, anderseits jedoch nicht auf Sichtbarkeit und Signalwirkung verzichtet. Zur genaueren Vorstellung siehe visuelle Projektskizze.


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